Kontakte zwischen jeweils einem Einheimischen und einem Flüchtling fördern — das ist das Anliegen des Patenschaftsprogramm der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen, das in Zusammenarbeit mit dem Helferkreis durchgeführt wird.

Das Programm ist sehr flexibel, wie die Koordinatorin Helga Ziemons betont. Pate und Asylbewerber entscheiden gemeinsam, was man zusammen unternimmt, und wie oft man sich trifft. Bereits 8–10 Paten engagieren sich derzeit in Taufkirchen, über weitere Interessierte würde man sich freuen.

Ein sehr aktiver Pate ist Hans-Joachim Faul. Seit einem halben Jahr kümmert er sich um den 22-jährigen Joseph aus Uganda, der derzeit einen Deutschkurs in der Berufsschule an der Balanstraße besucht. Regelmäßig treffen sich die beiden im Jugendkulturzentrum „Next Level“ oder in den Räumen der Nachbarschaftshilfe zum gemeinsamen Lernen. Gelegentlich begleitet Herr Faul Joseph auch zu einem Fußballspiel, denn Joseph ist ein begeisterter Fußballer und spielt in Ottobrunn in der ersten Mannschaft. Eigene Kindheitserfahrungen haben Herr Faul motiviert, sich als Pate zu engagieren. „Als Kriegskind bin ich bei meinen beiden Großmüttern aufgewachsen und habe mich immer schmerzlich nach einem Vater gesehnt, der mich begleitet und unterstützt.“ Anderen in einer ähnlichen Situation beizustehen — das ist ihm einfach wichtig. Dass sich sein Einsatz lohnt, zeigen ihm die Dankbarkeit und der Respekt seines Schützlings, der fast nie ein Treffen absagt. Auch afrikanische Pfannkuchen hat er einmal für das Ehepaar Faul gebacken. Ganz besonders aber freut sich Herr Faul, wenn es ihm gelingt, Joseph durch eine Erklärung plötzlich zu einem Aha-Erlebnis zu verhelfen. Solche Augenblicke gemeinsam erlebter Menschlichkeit empfindet er auch für sich als beglückend.

Der 20-jährige Ahmad aus Afghanistan ist glücklich hier. Er hat viele Freunde gefunden, spielt im Sportverein Volleyball, und hofft sehr, dass er seine Ausbildung zum Friseur beenden darf. Er kämpft jedoch noch etwas mit Sprachschwierigkeiten in Schule und Betrieb. Hubert Neumeier wurde sein Pate und nimmt sich neben Beruf und Familie einmal die Woche Zeit, um mit ihm zu lernen und sich mit ihm zu unterhalten. Herr Neumeier bewundert den Ehrgeiz von Ahmad, der nach einem langen Arbeitstag oft noch bis spät in die Nacht lernt. „Ich kann so eine Patenschaft nur empfehlen — man bekommt so viel zurück.“ Ein Zitat von Nietzsche fällt ihm dazu ein: „Fremde sind vielleicht Freunde, die wir heut‘ noch nicht kennen.“

Die ehrenamtliche Tätigkeit geht einem Paten manchmal auch sehr nahe, wie Frau Ziemons gesteht. Vor allem grundlegende Fragen beschäftigen sie: was ist, wenn ein Flüchtling, für den man sich eingesetzt hat, plötzlich abgelehnt wird? War dann alles Bemühen um Integration umsonst? Sollte sich Integrationsarbeit nicht auf diejenigen konzentrieren, die bleiben dürfen? Doch Frau Ziemons hinterfragt inzwischen diese Haltung: „Ein Asylbewerber, der wieder gehen muss, hat es in seinem Leben besonders schwer. Vielleicht braucht gerade er einmal die Erfahrung, dass jemand an seiner persönlichen Geschichte Anteil nimmt und den Menschen in ihm sieht.“ Aber sie versteht auch, wenn andere das anders sehen. „Ich finde es gut, dass der Helferkreis hier offen ist. Solche Fragen muss jeder für sich beantworten.“

Vielleicht haben auch Sie Interesse an einer Patenschaft, oder Sie wollen das Programm finanziell unterstützen? Frau Ziemons beantwortet gerne ihre Fragen (Tel. 0170/415 70 46; ziemons@nachbarschaftshilfe-taufkirchen.de).

Den Einzelnen sehen: Patenschaftsprogramm fördert Kontakte zwischen Flüchtlingen und Einheimischen