Das Deutsch muss noch besser werden, sonst passt alles meint Tobias Götz und nickt seinem Mitarbeiter aufmunternd zu. Der schaut wie ein braver Schüler, denn es ist nicht ein strenger Lehrer, der ihn tadelt, sondern sein Chef, der Bäckermeister Götz in Taufkirchen. Und der Schüler ist Qamar U., 36 Jahre alt, Familienvater aus Pakistan und arbeitet seit einem halben Jahr in der Backstube.

Joe Hesener vom Helferkreis hatte im Sommer 2016 angefragt, ob in der Bäckerei nicht ein Flüchtling gebraucht werde. Nachdem H. Götz bereits mehrmals Auszubildende aus dem Ausland beschäftigt hatte, kennt er sich mit dem bürokratischen Aufwand solcher Arbeitsgenehmigungen bestens aus. Obwohl das Asylverfahren von Qamar noch nicht abgeschlossen war, erhielt er eine Arbeitserlaubnis für ein Jahr.

Fragt man Qamar wie ihm die Arbeit gefällt, blickt er lächelnd auf seinen Chef und sagt nur „alles gut“. Es ist zu spüren, wie wichtig gerade bei Flüchtlingen die persönliche Wertschätzung ist. Die Erlebnisse in den Herkunftsländern, die langwierige Flucht und die Einsamkeit im neuen Land haben wenig Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen wachsen lassen. Ihm gefällt das Backen und der Meister ist zufrieden mit seinen Leistungen. „Ich hob eam zoagt wia de Krapfn und Auszognen gmacht werdn und dann hot ers gmacht. Er is imma pünktlich, zuverlässig und ordentlich – I dadn gern behaltn.“

Genau das ist aber nicht sicher: Qamar hat vor kurzem die Ablehnung seines Asylantrags erhalten. Die Abschiebung ist in Aussicht gestellt. Er hat sich einen Rechtsanwalt genommen und möchte sein Recht auf Asyl vor Gericht verteidigen. Seine Frau ist mit den drei Kinder noch in Pakistan, er schickt regelmäßig Geld, damit die Familie überleben kann.

Zurück bleibt eine gewisse Ratlosigkeit: Wir kennen nicht die Umstände, die Qamar zur Flucht aus seinem Land getrieben haben. Wir kennen die Gründe nicht, die zur Ablehnung des Asylantrag geführt haben. Wir sehen nur zwei sympathische und engagierte Menschen, die gut und erfolgreich zusammen arbeiten, sich gut verstehen: Trotzdem hängt das Damokles-Schwert des Endes der Arbeitserlaubnis und der drohenden Abschiebung über ihnen.

Integration in der Backstube