Gastronomie und Personalmangel – ein Begriffspaar, das uns seit vielen Jahren geläufig ist. Jeder Wirt kann Geschichten erzählen, wie schwer es ist, Menschen zu finden, die auch körperlich anstrengende Arbeit zu ungewohnten Zeiten mit Engagement und Ausdauer leisten.

Schon lange bevor die Brüder Zinner die Gastronomie im Ritter-Hilprandt-Hof übernommen haben, arbeiteten sie mit Aushilfen und Spülkräften aus dem Irak und Syrien. Als es dann in Taufkirchen losging, fiel ihnen der Iraker Ali Hussein auf, der bei einer Abrissfirma angestellt war und die alte Küche entrümpelte. Dort hatte er nur eine befristete Anstellung und wechselte gerne in die Küche des Wirtshaus Zinners. Heute ist er die rechte Hand des Küchenchefs und hilft bei Bestellungen und Logistik. Auch Saif Bloch aus Pakistan hat sich seit über zweieinhalb Jahren in der Küche hochgearbeitet. Angefangen hat er als Spüler, später übernahm er die kalte Küche und heute geht er dem Küchenchef zur Hand und übernimmt komplexe Aufgaben.

Eigentlich sind das Erfolgsgeschichten, wenn nicht das Problem der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis wäre. Ali Hussein kann zufrieden sein: Er flüchtete aus dem Irak, ist Jeside und bekam damit Asyl. Schwierig ist die Lage für Saif. Auch wenn er in der Küche der Zinners unverzichtbar ist, ändert das nichts an seinem Aufenthaltsstatus. Er verfügt nur über eine Duldung, was dazu führte, dass ihm kurzfristig die Arbeitserlaubnis entzogen wurde. Sebastian Zinner war mehrere Male beim Landratsamt, um wenigstens die Arbeitserlaubnis zu verlängern. Hinzu kommt die eigentlich vernünftige Regelung, dass die Flüchtlinge aktiv dazu beitragen müssen, ihre Identität zu klären. Deshalb musste Saif dreimal nach Frankfurt zur pakistanischen Botschaft, um dort seine Herkunft zu klären und einen Pass zu beantragen. Trotz dieser kostspieligen und zeitaufwändigen Aktivitäten ändert das nichts an seinem unsicheren Aufenthaltsstatus. Auch mit gültigem pakistanischem Pass kann er abgeschoben werden.

Das Gespräch mit Sebastian Zinner, einem der beiden Chefs muss im kleinen Büro stattfinden, weil alle Tische im Lokal besetzt sind. Beim Gang durch die Küche fällt sofort auf: Da herrscht gute Stimmung, trotz Arbeitsdruck. Ist das der Grund, warum die Mitarbeiter so lange bleiben? „Ja klar“ sagt Sebastian Zinner „Wir bemühen uns um die Leute, kümmern uns, wenn´s Probleme gibt und sorgen für gutes Arbeitsklima – unser wichtigster Mann ist dabei der Küchenchef, Alexander Mallot. Der schafft´s auch noch im größten Stress ein Späßchen zu machen.“

Ohne die Kollegen aus Syrien, dem Irak oder Pakistan würde die Küche nicht funktionieren. „Warum können wir nicht Menschen, die seit Jahren hier leben und täglich gute Arbeit leisten eine Arbeitserlaubnis geben, damit sie sicher und mit einer Perspektive hier leben können.“ Aber das ist wahrscheinlich zu kurz gedacht, meint Sebastian Zinner – da geht’s eher ums Prinzip und nicht um die Realität.

Michael Schanz

Ein Blick in die Küche beim Wirtshaus Zinners